Das Roten Meer, lasst uns gemeinsam staunen, ist gar nicht rot, aber da kommen wir bestimmt später noch einmal drauf zu sprechen. Aus Sicht der Biologen ist das Rote Meer das faszinierendste aller Nebenmeere der Weltozeane. Es sind nicht nur die vielen bunten Fische, Krebse und andere farbenfrohe Wirbellose, die ausschließlich dort vorkommen, sondern auch eine außergewöhnlich große Zahl von Faunenassoziationen (Wow, was für ein Hammerwort), die nur hier vorkommen, die es so interessant machen.
Das Rote Meer markiert eine geologisch hochaktive
Spreizungszone mit aufquellendem Magma (analog dem Mittelatlantischem Rücken) und bewirkt dadurch das Auseinanderdriften der Afrikanischen und der Arabischen Platte seit 180 Millionen Jahren. Anfangs glich es noch eher einer überdimensional großen Pfütze, vor ca. 38 Millionen Jahren jedoch, bildete sich erstmals ein deutlicher Graben. Während seiner Entstehung wurde die Gegend immer mal wieder überflutet, fiel aber zwischendurch auch oft genug mal wieder trocken. Zu diesem Zeitpunkt war es noch durch eine Landbrücke vom Indischen Ozean getrennt. Selbiger hat aber eines Tages allen Mut zusammen genommen und jene Landbrücken durchbrochen um das Rote Meer mit seinen indo-pazifischen Faunen reich zu beschenken. Erste Korallenriffe begannen in seichten Gewässern oder auf angehobenen Blöcken zu wachsen. Seinen derzeitigen Zustand erreichte es erst vor ganz knapp 5000 Jahren. Es ist also noch ein sehr junges und dynamisches Meer. Ein Teenager sozusagen. Heute hat es eine Länge von knapp 2000 km hat eine maximale Tiefe von ungefähr 2400 m. Das ansonsten bis zu 360 km breite Meer verengt sich an der Meerenge Bab el Mandab (arab: “Tor der Tränen“) im Süden bis auf 29 km und hat noch einen so großen Bewegungsdrang, dass es im Norden um 0,8 cm und im Süden um sagenhafte 1,6 cm breiter wird. In vielen Millionen Jahren wird also aus diesem kleinen Nebenmeer ein großer, ganz erwachsener Ozean geworden sein.
In oben genannter Meerenge liegt der Meeresboden nur knapp 130 m unter dem Wasserspiegel. Diese gigantische Wand behindert den Wasseraustausch enorm, was zur Folge hat, dass das Rote Meer einen ungewöhnlich hohen Salzgehalt hat, und relativ wenig Nährstoffe aufweist. Dadurch kommt es wiederum zu vermindertem Planktonwachstum, was Taucher in der Regel sehr freut, da es zu ausgezeichneten Sichtweiten führt. Auch die Tatsache, dass es das einzige Meer ist, in das keine Flüsse münden, bringt des Tauchers Mundwinkel in eine nach Norden ausgerichtete Stellung, da sich wenige Schwebstoffe im Wasser befinden. Unterhalb von 300 m haben wir eine stabile Wassertemperatur von 22°C, ein einzigartiges Merkmal des Roten Meeres. Der Durchfluss bei Bab al Mandab am südlichen Eingang ist wegen der Schwelle recht komplex. Ein Zweischichten-Gegenstromsystem herrscht vor, in dem Oberflächen-wasser ins Rote Meer getrieben wird. An dieser Stelle noch mal ein ganz klares „Wow, Zweischichten-Gegenstromsystem“ das rockt.
Auf Grund der topographischen Verbreitungsbarrieren und besonderen ökologischen Situation mit stark wechselnden Bedingungen entwickelte sich eine Spielwiese der Evolution und viele Arten kommen endemische vor. Aber es finden sich auch fast alle Arten aus dem gesamten Indopazifik, wenngleich die Faunenzusammensetzung ungewöhnlich stark differiert. Man findet Schildkröten, Weißspitzen-Hochseehaie, Weißspitzen-Riffhaie, Grauen Riffhaie und Mantas. Die raren Walhaie kommen meist nur in relativ kleinen Exemplaren von max. 5-6 m vor. Um diesen ganzen, aus des Tauchers Sicht gesehenen, Schmackerlies herum, kommen natürlich noch die üblichen Verdächtigen hinzu. In den Küstennahen Saum.- bzw. Fleckriffen tummelt sich alles was das Herz begehrt. Neben Napoleons, gibt sich die ganze Familie der Scorpionsfische wie Steinfisch oder Rotfeuerfisch ein Stelldichein. Hier kommt ein Blaupunktrochen vorbei, da zwinkert uns ein Roter Krake an, und das ein oder andere, doch recht kapitale Exemplar einer Riesenmuräne, hängt tagsüber gelassen im Riff rum.

Um mal eine kleine Gesprächsschleife zu ziehen, und wieder an den Anfang unserer Ausführung zu kommen, woher bekam das Rote Meer denn nun seinen Namen? Eine Idee der Namensgebung stammt aus dem althergebrachten System der Bezeichnung von Himmelsrichtungen durch Farben. Zuerst ist der Name zur Zeit der Achaimeniden bezeugt. Nein, hierbei handelt es sich nicht um eine ausgestorbene Tierart aus der Vorzeit, um ein altes iranisches Volk. Im Bezug auf dieses Volk lag das rote Meer im Süden, welcher durch die rote Farbe symbolisiert wurde. Also bedeutet rotes Meer für Achaimenider „Südsee“ und zum Beispiel das Schwarze Meer „Nordsee“. Immer wieder wird zur Namenserklärung auch die Blaualge Trichodesmium erythraeum mit ihrer rötlich-orangen Chlorophyll-Variante herangezogen. Während periodisch auftretender Algenblüten kann sie ganze Teppiche an der Wasseroberfläche ausbilden. Dabei sollte man sich jedoch nicht vom Namen verwirren lassen. Das Chlorophyll der Blaualge wird durch rot-orange Pigmente überdeckt, die das Meerwasser nicht blaugrün, sondern rot erscheinen lassen. In Reisehandbüchern erschöpft man sich zudem des Öfteren über den rötlichen Schimmer des Meeres und Bergketten beim Sonnenaufgang.
Sollte noch jemand Fragen haben, so scheut Éuch nicht den Moderator Rex Kramer anzuschreiben und Ihn in den Klugscheißermodus zu versetzten.