Martins Rock´n´Roll Site

06.00 Hurghada Touristvillage, Villa 2011,

Der Wecker klingelt, und reißt mich aus meinem Träumen von Schweinefleisch, Regen und Schnee zurück in die Realität. Schnell werfe ich den morgens üblichen Blick aus dem Fenster um einen kurzen Wettercheck vorzunehmen. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, das scheint ein guter Tag zu werden. Noch leicht benommen von den Auswirkungen der vorabendlichen Antidekompressionstherapie in Form von ein bis zwei guten Stella, gehe ich in die Küche um mir ein, der örtlichen Kultur entsprechendes Frühstück vorzubereiten. Salami, Kassler und Kaffee stehen hier auf dem Programm. Im Gegensatz zu zwei Kollegen, ich möchte die Namen von Dani und Karre hier nicht erwähnen, die Ihren Alltag in einer der letzten Ausgabend der U/W publiziert haben, ist unser Kühlschrank immer erstaunlich gut gefüllt. Noch eine kurze Dusche, und schon geht es ab in die unglaubliche Realität eines Tauchlehrers.

08.00  Vorbereitung des Boots und Ausfahrt zum ersten Tauchgang

Noch einen kurzen Blick ins Office geworfen, die Boarding-List für den heutigen Tag geschnappt, und ab geht es in Richtung Jetti. Heute bin ich auf der Sharara, ein 20m Schiff mit einem doppelt gedrosseltem 360 PS, acht Zylinder Motor. Eine richtiges Männerboot also. Freudestrahlend und wie immer gut drauf erwartet mich die Crew um mit mir gemeinsam das Boot vorzubereiten. Da gibt es noch viel zu tun. Gut eine viertel Stunde später kommen dann unsere Gäste. Jetzt werden erst einmal Hände geschüttelt, Höflichkeiten ausgetauscht und das Equipment verstaut. Wärend die Crew schon mit dem Ablegemanöver beschäftigt ist suche ich mir noch gemeinsam mit meinen neuen Freunden einen Tauchplatz aus. Manchmal, aber auch nur manchmal ist das nicht ganz so einfach, da es hierbei eine Vielzahl von Faktoren, wie zum Beispiel das Wetter, zu beachten gibt. Endlich stechen wir in den See. Ab jetzt kommt hier richtig Leben die Bude. Die Ausrüstungen werden zusammengebaut, Karten gemalt, ein paar Tipps hier und da verteilt und die ersten Ladies an Bord fangen schon an Spaß zu haben. Nach ca. ein bis zwei Stunden Fartzeit ( fart = engl. furtz ) erreichen wir unseren ersten Tauchplatz. Bevor es jedoch ins Wasser geht, gebe ich noch ein paar spezifische geographische Informationen und einen Überblick über die Topografie und Bedingungen unter Wasser heraus.

09.43 Der erste Tauchgang in "Erg Somaya"

Endlich geht es ins Wasser. Das ist der Punkt, an dem ich immer wieder aufs neue feststelle, dass es eine der besten Entscheidungen meines ganzen Lebens gewesen ist ins Ausland zu gehen und in diesem Job zu arbeiten. Die erste von den zwei schönsten Stunden des Tages beginnt. Wir tauchen ab in eine phantastische andere Welt, so farbenfroh, so lebendig und vielfältig...und so ganz nebenbei passieren ab und zu auch noch die unglaublichsten Dinge. Wer erst einmal Delphinen in ihrem natürlichem Lebensraum beim Spielen zugeschaut hat und Schulter an Schulter mit ihnen geschwommen ist, der möchte garnicht mehr an die Oberfläche zurückkehren. Doch unserer Zeit unter Wasser sind leider Grenzen gesetzt. Was für ein Privileg der Natur jeden Tag so nah sein zu dürfen!!!

    

10.57 Oberfläche

An der Oberfläche zurück sehen wir, noch hinter Masken und Schläuchen versteckt, nichts als glückliche Gesichter... und Ali wartet schon auf uns um uns von der Last der leeren Tanks zu befreien. In dem Moment in dem die Nasen jetzt ihren Erker verlassen, wird bei den meisten schon einmal tief durchgeatmet. Ali, Hassan und Adel haben nämlich in der Zwischenzeit so garnicht  auf der faulen Haut gelegen, sondern uns schon mal ein leckeres Fünf-Sterne-Deluxe Mittagessen vorbereitet.

11.30 Die Entspannungsanimation

Die Tage auf dem Boot haben schon einen sehr entspannten Ablauf, für unsere Gäste. Tauchen, ein phantastisches Mittagessen und bei einem sanften Wellengeplätscher ein kleines Verdauungsschläfchen machen. Für uns als Guides kommt jetzt die heiße Phase der Animation. In der Regel sind die Menschen nämlich leider, wenn sie in den Urlaub fahren, noch so angespannt, dass sie einfach nicht in der Lage sind einen Gang runter zu schalten und ein wenig den Blues reinzubringen. Und das ist der Punkt an dem wir ins Spiel kommen. Obwohl wir noch, gerade nach dem Essen, total dynamisch, und voller Tatendrang sind, suchen wir uns nun im Saloon ein schönes Plätzchen, legen uns völlig wieder unserer Natur hin, und tun so als wenn wir schlafen. Das ist in den meisten Fällen gar nicht so einfach. Da muss man mit geschlossenen Augen völlig regungslos daliegen, vielleicht mal ein klein bißchen aus dem Mundwinkel sabbern damit das ganze auch authentisch wirkt, nur  um die die Leute dazu zu bewegen einen schönen Tag zu haben.

12.26 Anfahrt zu nächsten Tauchplatz

Tauchlehrer, Superhelden ähnliche Typen kennen natürlich keine Ruhe. Schon meldet sich unser tiefstes Bedürfniss, der Menscheit etwas Gutes zu tun, wieder. Hat unsere selbstlose Arbeit Früchte getragen, springen wir sofort wieder auf um den zweiten Tauchgang vorzubereiten. Wärend Hanni, Nanni, Robbie und Tobbi noch von Ihren neuen Fliwatüts träumen schmeist unser Kaptain Kalifa die Maschine an damit wir uns dann im Flüstermodus zum nächsten Tauchplatz schleichen können. Aus der Ferne lasse ich schon mal meinen wissenden Blick über den Horizont gleiten um die Lage zu klären.   

12.59 Ankunft am "Abu Ramada Plateau"

Yeah, ... das "Plateau"!!! Einer unserer atmosphärischsten ( wie meine Kollegin Stina Gemmel zu sagen pflegt) Tauchplätze steht jetzt auf dem Programm. Aber auch einer der anspruchvollsten!!! Tieeef und verdammt böse ist dieser Platz mit Strömungen, die eine derart hohe Geschwindigkeit haben können, dass sie einem beim Reinspringen schon die Beine unter dem Hintern wegreißen. Wenn man sich hier nicht so ganz aus Versehen ein Ticket in Richtung Saudi Arabien lösen möchte, muss man sich sofort hemmungslos in die Tiefe stürzen. Fallschirmspringen ist dagegen etwas für die leicht zart beseiteten Seelen unserer Spezies. Dort unten angekommen wird man, und natürlich auch Frau, dafür mit dem echten Hammer belohnt. Fischschwärme die sich bis kurz unter die Oberfläche, und auch teilweise darüber hinaus, stapeln, Sichtweiten dass man beim richtigem Sonnenstand den amerikanischen U-Booten der Galaxy-Class bei ihrer wöchtentlichen Torpedorohr-Reinigung zu schauen kann, und manchmal kommen hier auch die "Big Five" vorbei. Adlerrochen schweben elegant vorbei, Barakudas bilden ihren Todesstrudel um einen herum und es soll auch Leute geben die dort schon Schildkröten dabei beobachtet haben wie sie an ihren sechs Brustwarzen jeweils ein junges gestillt hat.

15.00 Anfahrt von "Shaab Stella"

Nachdem sich eine schier unendliche Anzahl von "Ooohs", "Aaahs" und "Mmmhs" gegenseitig gejagt haben, sind wir nach einer Stunde wieder zurück in der Realität und fahren der sich schon hinter den Bergen untergehenden Sonne in Richtung Hurghada entgegen. Die Ausrüstung wird wieder verstaut, noch mal ein wehmütiger Blick ins Wasser geworfen, und jetzt müssen wir erst einmal alle ganz alleine mit unserer Reizüberflutung klarkommen. "Salama Salama" höre ich Adel und Ali rufen. Was nicht heißen soll, dass es jetzt als kleines kulinarisches Schmackeli noch eine Runde afrikanischer Würste zu naschen gibt, nein, "Salama" ist das arabische Wort für Delphin. Als Krönung des Tages begleitet uns jetzt noch eine kleine Hauptschule von diesen lustigen kleinen Säugern bis zurück an den Steg. Nervosität breitet sich langsam aus. Wenn ich in die Gesichter der Leute schaue sehe ich wie sie sich umschauen, und irgendwie glaube ich, dass der eine oder andere auch die Stimme hört die ich seit ein paar Minuten schon wahrnehme. Die Bar ruft!!!

17.00 Basis

Entspannt und glücklich, aber doch mit einer offensichtlichen Tendenz zur Eile gehen wir jetzt dem heiligsten Ort aller Taucher entgegen. Die Bar!!! Ein Ort an dem Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht werden, und, ganz wichtig, dem gefährlichen Taucherunfall entgegengewirkt wird. Dekompressionsbier muss hier zwingend notwendig getrunken werden, ob man will oder nicht. Würde ich meiner inneren Stimme folgen, würde ich mir ja bei Mohammet und Essam einen frisch gepressten Karottensaft mit einem Schuss Öl bestellen, aber was tut man nicht alles für seine Gesundheit! Unter anderem macht das auch noch unheimlich Spaß. Cool, Gesundheit ist toll!!!

20.00 Annäherung an die Heimat

Nachdem ich auf dem Weg durch das Hotel noch mit Natascha und Hassan eine kleine Polka mit arabischen Einflüssen getanzt habe, lasse ich mich erschöpft vor meinem Schreibtisch in den Stuhl sinken. Zwei Minuten der Entspannung gebe ich mir um noch mal die letzten Energiereserven zu mobilisieren, mein Tag ist nämlich noch nicht vorbei.  Bevor ich mich dem Ruf der Horizontalen hingebe lerne ich jetzt noch ein paar Zeilen aus Schillers Glocke auswendig, schreibe ein religiösen Almanach für die örtliche Gemeinde der Freidenker und verfasse noch ein paar sozialkritische Texte für die "Hurghada-Times".  

22.00 ...to be continued

An dieser Stelle wollen wir uns auch noch einmal ganz herzlich bei Herrn Sven Kallbrock für die Leihgabe seiner absolut hammermäßigen Unterwasserfotos bedanken.