Martins Rock´n´Roll Site

                          Die SS Thistlegorm

 

Die Geschichte                                                                       Die Reise des Schiffes war lang gewesen und bisher ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.Die Route hatte durch den stürmischen Atlantik geführt. Dort, wo das Wetter widrig ist und wo zudem im Jahre 1941 deutsche U-Boote nur darauf lauerten, leichte Beute zu machen. Das Ziel war der Hafen von Tawfiq am Südausgang des Suezkanals, die Ladung war für die britischen Truppen in Ägypten bestimmt.Durch das Mittelmeer wäre es vom schottischen Glasgow, wo man geladen hatte, ein kürzerer, aber gefährlicherer Weg gewesen. Die Achsenmächte Deutschland und Italien hatten durch ihren verstärkten Luftkrieg gegen Malta für einige Zeit ein Durchkommen britischer Geleitzüge von Gibraltar nach Alexandria fast unmöglich gemacht. Daher galt das Risiko von Feindberührung auf dem Atlantik und rund um das Kap der guten Hoffnung als weitaus geringer. Allerdings war die Route dafür auch mit über 12.000 Seemeilen achtmal so lang wie in Friedenszeiten durch den Suezkanal. Man hatte sich zu einem Geleitzug formiert, der aus 16 Schiffen bestand. In diesem Verband war es wahrscheinlicher, das Ziel unbeschädigt und verlustfrei zu erreichen. Das Schiff in diesem Konvoi trug den Namen SS Thistlegorm, die Blaue Distel. Ein Name, der in der Tradition der schottischen Reederei Albyn-Line stand, unter deren Flagge die SS Thistlegorm fuhr. Alle Schiffe dieser Reederei begannen, seit deren Gründung im Jahr 1901, mit dem Vornamen "Thistle", was zu deutsch Distel bedeutet. Ergänzt wurde der Name durch weitere gälische Worte wie roy = rot oder dhu = schwarz und durch andere Begriffe. Ein schwarzes Distelemblem auf weißem Grund war auch das Wappen. Es zierte Flaggen und Schornsteine der Reederei-Flotte.
Die SS Thistlegorm war ein typischer Frachter mit einer modernen Dampfmaschine. Am 9. April 1940 wurde sie von Mrs K.W. Black auf der Bauwerft von Joseph L. Thompson & Sons LTD., North Sands Shipbuilding, Manor Quay Works, im schottischen Sunderland in der Nähe von Newcastle, auf ihren gälischen Namen Thistlegorm ge-tauft. Die Endmontage des Frachters mit der internen Baunummer 599 wurde im Juni 1940 abgeschlossen und das Schiff unter der Nummer 84757 bei Lloyds registriert. Ein verstärkter Bau von Handelsschiffen brachte in jenen Tagen den Werften in England und Schottland einen Auftragsboom, denn die britische Regierung hatte zu Kriegsbeginn 1939 die massive Erweiterung der Handelsflotte verfügt. Die Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg hatten gezeigt, wie wichtig die Versorgung der Insel von See aus war. Diese unterstrich auch die Tatsache, daß schon kurz nach Kriegsbeginn das Schiffahrts- und Transportministerium zu einem neuen Ministerium für Kriegstransporte zusammengefügt worden waren. Zwar besaß die britische Regierung eine große Anzahl von eigenen Transportschiffen, für die anstehenden Aufgaben aber waren es nicht genug. So wurden etliche Transportaufträge an private Reedereien vergeben, die allerdings der Oberaufsicht des Ministerium unterstanden. Wegen der Gefährdung durch gegnerische U-Boote und Flugzeuge wurden die Frachter zum Teil mit leichten Kanonen zur eigenen Sicherheit ausgerüstet. Neben der zivilen Stammbesatzung fuhren auf diesen Schiffen auch sogenannte "Navy-Gunner" mit. Es handelte sich um Soldaten der Marine, die für die Geschützbedienung verantwortlich waren. Auch die SS Thistlegorm und ihr Äußeres wurden für die speziellen Aufgaben modifiziert. Denn das Schiff war nicht für kriegerische Einsätze gebaut worden, ihm fehlte eine effektive Panzerung. Der Situation gehorchend hatte man seine Brücke und die Aufbauten mittschiffs von außen mit Betonplatten verstärkt. Man erhoffte sich auf diese Weise einen Schutz vor den Bord-MGs anfliegender Feindbomber und vor Splittern. Schön sah es mit diesem Betonkorsett nicht aus, auch die beiden Kanonen am Heck, eindeutiges Zeichen einer Defensivbewaffnung, paßten nicht zu ihm. Es waren jedoch notwendige Schutzmaßnahmen.

  

     Die Bikes:

Die Bikes stehen heute noch stolz aufgreiht auf den Ladeflächen der kleine Laster ( ahh, siehe mal da, selbst die Thistlegorm hat ein, wenn auch kleines, Laster gehabt). Nach heutigen Erkenntnissen handelt es sich bei den meisten Maschinen um einst fabrikneue bikes aus britischer Produktion, die für Herrn Feldmarschall Auchinleck´s Truppen bestimmt waren. Heute befinden sich diese scharfen Geräte leider, weniger Aufgrund von natürlichem Verfall, in einem mehr schlechtem Zustand. Der Souvenierjäger, seinerseits immer noch einne Spezies die wir bis heute nicht an den Rand drängen konnten, hat da ganze Arbeit geleistet. Nichtsdestotrotz haben sich zwei Typen von identifizieren lassen.

  

Bei der ersten Gruppe von "Hot Dsch-eräten handelt es sich um eine zwei-sitzige Matchless G3L mit, für die Zeit, wahnsinnigen 350 ccm, die eine unglaubliche Leistung von 16 Horse-powers entfaltet haben. Der luftgekühlte Einzylinder der G3L hat eine Fußschaltung und eine Teleskop-Frontgabel gehabt, also alles was ein echtes Bikerherz heute begehrt.

Die zweite Gruppe an Bord bildeten die BSA (British Small Arms) Motorräder vom Typ M-20. Diese allerdings wahren mit einem schier unglaublichem Hubraum von 500 ccm ausgestattet, hatten aber leider nur 12 PS, aber wir wissen ja, Hubraum zählt. Für den Fahrkomfort der soldaten wurden die Maschinen dann auch noch mit einer standatfederung und mechanischen Bremsen ausgestattet.

Viele Fahrten hatte das Schiff noch nicht unternommen; es war die vierte und letzte Reise, die die SS Thistlegorm, unter dem Kommando von Kapitän Ellis, im August 1941 von Glasgow aus über einen Zwischenstop in Kapstadt antreten sollte. Gute 10 Wochen auf hoher See lagen zwischen Schottland und dem Zielhafen des Schiffs. Unter großen Sicherheitsmaßnahmen verschwanden in den vier großen Laderäumen kriegswichtige Güter. Leichte Schützenpanzer stauten sich neben verschiedenen LKW unter Deck. Ob Zwei- oder Dreiachser, auf ihren Ladeflächen zurrte man zudem Dutzende von Motorrädern fest. Auch kleinere geländegängige Mannschaftsfahrzeuge wurden mit zusätzlichen Ausrüstungsteilen und anderen Versorgungsgütern, selbst mit Stapeln von Blecheimern, vollgestopft.

  

    Die Zweiachser:

  

Und dann war da auch noch der Willis Jeep, ein Meilenstein der Automobil-geschichte!!! Heute eher bekannt als CJ7 bzw Wrangler Jeep bekannt, aber auch damals schon eine fan-tastische Möglichkeit um sich in den eher etwwas sandigeren Gefilden fort zu bewegen. 

Keine Frage, zu der Ladung der Blauen Di-stel gehörte natürlich auch der Standart-LKW der britischen Streitkräfte, der Bedford OY!!! Bei diesem Fortbewegungsmittel handelt es sich um einen klassichen Dreitonner, der mit den unterschiedlichsten Aufbauten und ´Zubehöhr für diverse Ein-satzzwecke modifiziert werden konnte 


Generatoren und einachsige Anhänger mit Wasser- und Treibstofftanks standen in den Ecken der Laderäume neben Ersatztragflächen für Flugzeuge. Flugzeugmotoren laschte man in der Nähe von Kisten mit Karabinern, Minen, Gewehrgranaten und Gewehrmunition fest. Auch größere Granaten wurden in Viererpacks mit ihrem Transportbehälter mittschiffs verladen. Hinzu kamen noch gewaltige Geschosse von etwa 37 Zentimetern Durchmesser für die schwere Schiffsartillerie, bzw für Küstenbatterien, sowie Torpedos und Grundminen. Separat verstaute man die dazu gehörenden Zünder neben Hunderten von Ersatzreifen für Fahrzeuge und Motorräder, neben Gummistiefeln, Funkgeräten, Uniformen und weiterer Ausrüstung. Auf dem Oberdeck fand sich weiterer Platz für zwei mittelgroße Dampflokomotiven mit ihren Schlepptendern und zwei zusätzlichen Wasserwagen. Die SS Thistlegorm glich einem schwimmenden Waffenarsenal. 

Operation Crusader                                                                                                        Im Rahmen der geplanten Operation Crusader (Kreuzfahrer) hatte die SS Thistlegorm einen speziellen Auftrag. Sie sollte mit anderen Schiffen den Nachschub für die kämpfenden Verbände in Nordafrika mit aufrechterhalten. Crusader war ein hochgestecktes Ziel. Denn dahinter verbarg sich Mitte November 1941 der Versuch der Briten, allen voran Feldmarshall Bernard Montgomery, mit ihrer neu formierten 8. Armee in Nordafrika durch massive Offensiven den Vorstoß Rommels zu stoppen und ihn nach Westen wieder zurückzuschlagen. Die britischen Einheiten sollten die deutschen Panzer ausschalten, das seit 1941 belagerte Tobruk entsetzen, die Cyrenaika zurückerobern und ggfs bis Tripolis vorstoßen. Immerhin standen 118000 Mann, fast 700 Panzer, 600 Geschütze, über 200 Panzerabwehrkanonen und zahlreiche Waffen und Fahrzeuge zur Verfügung. Die Desert Air Force stellte zudem über 650 Flugzeuge bereit. Für eine derartige Offensive wurde Material in Hülle und Fülle benötigt, so wie es die SS Thistlegorm und andere Schiffe vom Sommer bis Herbst 1941 transportierten. Außerdem mußten Truppen bewegt und neue Soldaten mit Schiffen an den Kriegsschauplatz Nordafrika gebracht werden.
Um solche Truppentransporte durchzuführen, wurden auch zivile Passagierschiffe wie die Queen Mary eingesetzt, die um die Zeit mit einem Kontingent australischer Truppen auf dem Weg nach Port Said war. Für die deutsche und italienische Luftwaffe waren gerade diese Schiffe und Konvois ideale Angriffspunkte, soweit sie in ihrer Reich-weite lagen. Die britischen Einheiten konnten mit der Operation Crusader auch anfängliche Erfolge und Geländegewinne verzeichnen, obwohl sie hohe Verluste an Menschen und Material erlitten hatten. Allerdings blieb es ein zeitlich begrenzter Teilerfolg. Rommel erwies sich schließlich als besserer Taktiker und mit dem Fall von Tobruk am 21.Juni 1942 stand dem deutschen Vormarsch in Richtung Alexandria und Kairo nichts mehr im Wege. Mit einer Ausnahme: dem kleinen Ort El Almein! 


Der Angriff                                                                 Doch die Geschichte war am 6. Oktober 1941 noch nicht so weit fortgeschritten. Vor 12 Tagen, am 24. September, hatte sich die Thistlegorm in Aden einem neuen Verband von insgesamt 20 Schiffen angeschlossen. Nun lag sie seit dem 6. Oktober mit den anderen Fahrzeugen des Geleitzuges am Eingang des Golfs von Suez, an der Ostseite des Sha'ab Ali, im sogenannten Inneren Kanal vor Anker. Zum Schutz gegen feindliche Attacken begleitete der Kreuzer HMS Carlisle den Verband. Der Innere Kanal galt als ein ruhiger und sicherer Ankerplatz, der intern bei den britischen Militärs als Anchorage F, als Liegeplatz F, geführt wurde und an dem zuvor schon viele andere Schiffe geankert hatten.
Ein Einlaufen der SS Thistlegorm in den Suezkanal, um in Tawfiq die Ladung zu löschen, war zur Zeit nicht möglich. Man hatte über Funk erfahren, daß ein Tanker in Nähe des Mittelmeerausganges des Kanals auf eine deutsche Mine gelaufen war und somit den Eingang blockierte. Dieses war militärischer Alltag, denn mit der Einnahme von Kreta und dem Vordringen des deutschen Afrikakorps lagen der Suezkanal und die nördlichen Teile des roten Meeres durchaus in der Reichweite deutscher und italienischer Bomber. Wiederholte Luftangriffe in dieser Region gegen ägyptische Hafenanlagen und Schiffe im Kanal waren somit nichts Ungewöhnliches. Immer wieder wurden Minen über dem Suezkanal abgeworfen, Nachschubschiffe der Engländer versenkt oder beschädigt. Man versuchte, einen geregelten Schiffsverkehr auf dieser wichtigen Wasserstraße zu unterbinden.
Bereits zehn lange Tage waren seit der Ankunft am Liegeplatz F verstrichen, und die Aufmerk-samkeit der Besatzungen an Bord hatte etwas nachge-lassen, wie später aus einem Brief des dritten Ingenieurs der Thistlegorm, Mr H.A. Bansall, an die Bauwerft klar hervorging. Denn das Ende dieser ge-fährlichen Fahrt war annähernd unbeschadet erreicht worden; nur noch wenige Meilen lagen zwischen den Schiffen und dem sicheren Hafen. Die Besatzung vergnügte sich mit Kartenspielen, oder ging im fast spiegelglatten Wasser schwimmen. Der deutschen Fernaufklärung war es natürlich nicht entgangen, daß sich ein größerer britischer Konvoi auf der Fahrt durch das rote Meer in Richtung Suez befand, der vermutlich wichtiges Kriegsmaterial transportierte. Gleichzeitig kursierte auch die Meldung, der Cunard-Dampfer Queen Mary sei mit australischen Truppen an Bord auf gleichem Kurs. Deshalb forderte man zwei bewaffnete deutsche Bomber vom Typ He-111 in das besagte Gebiet, die in Kreta aufgestiegen waren. Sie gehörten zum Kampfgeschwader KG26, dem sog. Löwengeschwader, das 1937 unter seinem ersten Kommodore, Oberst Dr. Freiherr von Richthofen, aufgestellt worden war und dessen II. Gruppe zu diesem Zeitpunkt in Kreta stationiert war. Die Maschinen dienten der Unterstützung des deutschen Afrikakorps und flogen Angriffe gegen militärische Ziele in Ägypten und gegen Einrichtungen und Schiffsziele am Suezkanal. Sollte der Truppentransporter entdeckt werden, so galt der Auftrag, ihn zu versenken. Zu diesem Zweck führten beide Flugzeuge zwei Spezialbomben von je 2.000 Kilogramm zur Bekämpfung von Seezielen mit sich. Es war spät geworden auf diesem Patrouillenflug. Hell schien der Mond und tauchte das Wasser des Roten Meeres in ein silbriges Licht. Die Queen Mary war auf Grund einer falschen Zeitplanung der Deutschen nicht entdeckt worden; sie hatte diesen Bereich zwei Stunden zuvor unbehelligt passiert. Die Bomber waren jedoch an der Grenze ihrer Reichweite angekommen und mußten umkehren. Eine Maschine flog längs der Küste des Festlands, die andere Heinkel befand sich an der Seite der Westküste des Sinais auf Heimat-kurs.                                  Statt des Truppentransporters entdeckte die Besatzung der Heinkel He-111, die sich auf der Sinaiseite befand, mehrere britische Schiffe in der Straße von Gubal, die offen-sichtlich zum gemeldeten Konvoi gehörten und dort vor Anker lagen. Sofort griff man sich ein Ziel heraus, ein Schiff von respektabler Größe, die SS Thistlegorm. Was sich in den nachfolgenden Minuten abspielte ist nach Aussagen Überlebender rekonstruiert worden. Der Angriff kam völlig überraschend. Die meisten Besatzungsmitglieder schliefen schon, viele von ihnen an Deck in ihren Hängematten, denn dieser Oktobertag war heiß gewesen, und unter Deck war es wegen der von der Tageshitze erwärmten Stahlplatten des Schiffs kaum auszuhalten. Plötzlich, morgens gegen 1.30 Uhr, war das sonore Brummen von Flugzeugmotoren zu hören, das näher kam. An einen feindlichen Flieger glaubte zu diesem Zeitpunkt niemand, auch nicht an Bord des begleitenden Kreuzers HMS Carlisle, der in der Nähe der SS Thistlegorm ankerte. Die He-111 flog so tief, daß sie die Lademasten berührt hätte, wäre das Fahrwerk ausgefahren gewesen, wie Zeugen später aussagten. Die Schiffsflak der SS Thistlegorm, die veraltet war und den Ansprüchen der damaligen Technik längst nicht mehr entsprach, hatte somit keine Chance einzugreifen, bzw. man hatte auch keine Feuerbereitschaft, sondern nur Alarmbereitschaft angeordnet, zumal die Schiffsführung auf den Schutz durch Kreuzer baute. Selbst die Kanonen der etwa 600 Meter entfernten HMS Carlisle konnten zunächst nicht eingesetzt werden, denn sie waren nicht in einen so niedrigen Schußwinkel zum angreifenden Flugzeug zu bringen; man hätte in diesem Fall seine eigenen Aufbauten oder andere Schiffe des Konvois getroffen.

Chaos und Untergang                                                  Unmittelbar vor dem Ziel wurden zwei Bomben ausgeklinkt und rauschten direkt auf die Bordwand zu. Die Explosionen rissen ein riesiges Loch in die Schiffswand, die SS Thistlegorm erbebte unter einer gewaltigen Detonation. An Bord herrschten Chaos, Tod und Vernichtung. Die nachfolgende Feuerwand und die Explosionen waren weithin zu sehen und zu hören, vom ägyptischen Festland bis hin zu den Bergen des nahen Sinais. Ob beide Bomben zu 100% das Schiff trafen, ist nicht eindeutig belegt. Fest steht aber, daß der oder die Treffer mittschiffs lagen, direkt hinter der Brücke, im Sektor des vierten Laderaums, dort, wo auch die beiden Lokomotiven festgezurrt waren. Die Treffer hatten vermutlich zwei gravierende Folgen. Zum einen explodierten die unter Dampf stehenden Kessel der Maschine, die in diesem Schiffsabschnitt lagen. Zudem ging etwa zehn Minuten nach dem Angriff ein großer Teil der hier verstauten Munition in die Luft. Granaten, Minen und anderer Sprengstoff großen Kalibers detonierten, ein unbeschreibliches Chaos breitete sich fast bis zum Heck aus. Dennis Gray, Kanonier auf der HMS Carlisle erinnerte sich noch sehr gut an die Situation, die er vom Kreuzer beobachten konnte. Besonders die 3030-Gewehrmunition, allem voran die Leuchtpatronen, schossen wie kleine Raketen aus dem Schiffsbauch in den Himmel. Das Inferno war unbeschreiblich. Plötzlich, so Gray später, sah er, wie eine der beiden Lokomotiven rotglühend in einem unglaublichen Funkenregen durch die Luft auf den Kreuzer zuflog, um kurz darauf mit einem lauten Knall ins Meer zu stürzen. Wer sich in diesem explo-siven Bereich des Schiffs aufgehalten hatte, wurde auf der Stelle getötet. Seeleute vom Vorschiff hingegen konnten in aller Eile die zwei einzigen noch verbliebenen Rettungsboote abfieren und auch die Kameraden aufnehmen, die vom Heck aus ins Wasser gesprungen waren. Denn ihnen war der Fluchtweg nach vor versperrt. Die anderen Boote hingegen waren von den Druckwellen der Explosionen bereits weggerissen worden. 

Angus McLeavy                                                           Daß Menschen in solchen Extremsituationen über sich hinauswachsen können, beweist die Tat eines einzelnen Seemanns, die in der Beschreibung der SS Thistlegorm unbedingt erwähnt werden sollte. Angus McLeavy war ein ruhiger, eher verschlossener Seemann von den Hebriden, hoch oben im Norden Schottlands. Der Angriff der He-111 hatte den damals 30-jährigen im Schlaf überrascht und die Bombenexplosion ihn aus seiner Koje geworfen. Nur mit dem Notwendigsten bekleidet versuchte er dem Chaos aus Rauch und Flammen zu entkommen und die Reling und somit das rettende Wasser zu erreichen.
Plötzlich bemerkte er etwas weiter von sich entfernt einen schwer verwundeten Kanonier der Marine. Ohne zu zögern stürzte er durch das Feuer auf ihn zu, nahm ihn auf die Schultern und trug den Verletzten durch Scherben und die Feuerwand zum Wasser.Glücklicherweise wurden beide durch die umherfliegenden Geschosse und Metalleile nicht verletzt. Allerdings verbrannte sich McLeavy dabei seine Fußsohlen, als er den Kameraden barfuß über das glühende Deck schleppte und zog sich am Körper weitere, schwere Verbrennungen zu. Andere Matrosen, die McLeavy mit dem Navy-Gunner auf seinen Schultern an der Reling sahen, kamen mit einem Rettungsboot längsseits und übernahmen beide Verletzten. Für seinen Einsatz wurde Angus McLeavy am 24.11.1942 von König Georg im Buckingham Palace mit der George Medal und später von Lloyds mit der Lloyds War Medal ausgezeichnet. Er überlebte den Krieg und starb mit 80 Jahren im Dezember 1991 in seiner Heimatstadt Stornoway auf den Hebriden.
Mr Bansall erwähnte in seinem Brief weiter, daß sich 20 Minuten nach dem Luftangriff und zehn Minuten nach der ersten großen Explosion eine weitere schwere Detonation ereignete, die vermutlich das Heck vom restlichen Schiffskörper abriß. Der Ingenieur vermutete, daß die Hitze im Innern des Achterdecks der SS Thistlegorm so hoch war, daß die schweren Waffen wie Grundminen und Torpedos auch ohne Zünder explodierten. Massive Wrackteile flogen bis auf die Decks der nahe liegenden Schiffe. Zeugen erinnerten sich auch, daß ein schweres Metallstück von der SS Thistlegorm ein fast 50 mal 50 Zentimeter großes Loch in die Schiffswand der HMS Carlisle riß, die später die Überlebenden aufnahm. Mr Dennis Gray sah dann den Untergang des Frachters. Das Schiff brach wie ein zusammenklappendes Taschenmesser im Bereich des Achterschiffs V-förmig zusammen und versank binnen kürzester Zeit. Der Triumph der deutschen Maschine war jedoch nur von kurzer Dauer. Während des Angriffs erhielt das Flugzeug von dem einsetzenden britischen Sperrfeuer der anderen Schiffe so massive Treffer, so daß es notlanden musste. Auch die zweite Maschine, die über dem Festland patrouillierte, wurde abgeschossen. Die Besatzungen gerieten nach etwa drei Tagen in britische Kriegsgefangenschaft, die sie bis zum Kriegsende in Australien verbrachten. Mit dem Untergang versank das Schiff auch in der Erinnerung seiner Zeitgenossen, obwohl noch Jahre danach britische Schiffe beim passieren der Untergangsstelle ihre Flagge als letzten Gruß an die gefallenen Soldaten setzten.

 
Seine erste Entdeckung feierte das Wrack in den frühen fünfziger Jahren, als es Cousteau durch Zufall fand und darüber 1956 im National Geographic Magazine berichtete. Cousteau setzte sich mit dem Hersteller des Schiffs, der Firma Joseph L. Thompson / Sons Ltd. in Sunderland, in Verbindung, um weitere Details zu erfahren. Die Werft hatte daraufhin diese Anfrage an einen überlebenden Ingenieur, eben jenen Mr Bansall, weitergeleitet. Aber das tauchen als Sport und Hobby befand sich in jener Zeit in seinen Anfängen, vom Tauchtourismus sprach noch niemand, geschweige denn vom Roten Meer. Es war so exotisch, so fern für die Massen, daß das Schiff erneut in Vergessenheit geriet.
Erst im Frühjahr 1991 stieß eine Gruppe begeisterter Sporttaucher und Wrackenthusiasten aus Deutschland auf die Spuren des Wracks. Ihre systematische Suche mit Hilfe moderner Ortungstechnik führte alsbald zum Erfolg: die SS Thistlegorm wurde zum zweiten Mal wiedergefunden. Da die Gruppe zudem eine Fernsehproduktion über das Wrack plante, erfolgten auch im Nachhinein umfangreiche Recherchen. Diesen Nachforschungen verdanken wir einen großen Teil der detaillierten Kenntnisse über das Schiff und seine Geschichte.

Der Tauchgang                                                            Alles   ready, das optimale Gasgemisch dabei, die Ausrüstung gut am Körper anliegen angebracht und die Lampe geladen? Dann lasst uns an einem der, immer noch, zehn schönsten Wracks weltweit tauchen gehen.                                                           Den Einstieg an der Thistlegorm macht man, aufgrund von teilweise doch recht knackigen Strömungen, in der Nähe des Abstiegsseils, oder gleich neben der Strömungsleine. So ist auf jeden fall gewährleistet, dass ich mich nicht schon vor dem Tauchgang verausgabt habe. Dann geht es an dem Abstiegsseil hinunter direkt hinein in ein unvergessliches Abenteuer. Das Seil an dem wir abtauchen führt nicht wie früher mehr direkt an das Wrack, sondern ist, etwa zwanzig Meter vom Schiffsrumpf entfernt am Grund, verankert. Ende 2007 hat die Hepca hier ca. zwanzig Bodenleinen gelegt, um das Wrack vor weiterer Zerstörung durch „wildes“ Leinen legen zu schützen. Für den Fall, dass interessante Strömungsverhältnisse vorherrschen, sollte man auf jeden Fall am Seit absteigen. Dabei hängt man zwar wie ein aufgeregtes Fähnchen im Wind, aber wir kommen auf jeden Fall dort an wo wir hin wollen. Dadurch bedingt, das die Thistlegorm auf der Nord/Süd-Achse leicht angekippt liegt, kann man, einmal unten angekommen, der Strömung recht gut aus dem Weg gehen,…und im Wrack selber gibt es ja sowieso keine Wasserbewegung.                                                                    Im besten Fall hat unser Tauchboot in etwa Mittschiffs kurz hinter der Einschussstelle festgemacht, so dass wir unsere zwei Tauchgänge optimal gestallten können.  Vorraussetzung hierfür ist allerdings die Auswahl des passenden Gases. Nehmen wir zum Beispiel ein zweiunddreißiger Nitrox, bei einer maximalen Tauchtiefe von 33m einfach die perfekte Wahl, sind wir in der Lage, trotz relativ kurzer Oberflächenpause das Wrack in zwei Tauchgängen, in all seiner Schönheit und Faszination, zu betauchen.                                                                                                       Einmal am Wrack angekommen starten wir unseren ersten Tauchgang lehrbuchmäßig. Was nicht mehr heißen soll, als das wir uns eim ersten Tauchgang mehr oder weniger nur einen Überblick über das Wrack verschaffen, also weitest gehenst „draußen“ bleiben, und erst beim zweiten Tauchgang uns in die Tiefen der Thistlegorm wagen. Das hat unter anderem auch den durchaus spannenden Vorteil, dass wir uns die „Highlights“ bis zuletzt aufheben. Vom Abstiegsseil aus geht es direkt in Richtung Backbordseite auf das Oberdeck. Werfe ich von hier aus, an den Aufbauten entlang gleitend, einen Blick über die Bordwand, bekomme ich das erste mal ein von der wahren Dimension des ehemals so stolzen Schiffs. Nach kurzer Zeit kommen wir „tatatatatatataaaa“ zur Einschussstelle. Aha, so sieht es also aus, wenn eine zweitausend Kilo Bombe in einen Laderaum einschlägt in dem zufälliger Weise Munition geladen ist. Hier hat es mit einem Schlag den ganzen Rumpf, direkt hinter dem Maschinenraum, komplett auseinander gerissen.  Wie japanische Origami-Papierbasteleien stehen die mächtigen Seitenwände in seltsamen Winkeln vom Schiff weg, und offenbaren uns die ersten Artefakte der ehemals so wichtigen Ladung. Zwischen Kisten mit großen Granaten, dessen Zündplatten (keine Plättchen) blank poliert sind, und den Universal Carriern steht die Antriebswelle nackt, und ohne Verbindung zu ihrem eigentlichem Freund dem Propeller ins blaue hinaus. Nun erreichen wir auch die für diesen Tauchgang maximale Tauchtiefe von ca. 33m.                                                                                              Steht der vordere Teil des Wracks noch Rumpf aufrecht, so ist das Heck schräg zur Backbordseite geneigt. Der Gang zwischen Seitenwand und Aufbauten liegt somit auf dem Grund. Ein Teil der Seitenwand ist von der Wucht des Einschlags wie ein kleiner Torbogen verzogen, und lädt, mit den Worten „Kommen sie rein und staunen sie „ ein unsere erste Overhead-Erfahrung, Tauchen mit keiner Möglichkeit eines direkten Aufstiegs zur Oberfläche, zu machen. Mit viel altem Kruppstahl über mir neige ich mich auf meine rechte Seite und schaue einem Quergang hoch. Ein unglaublich schöner Anblick!!! Am Ende des Gangs sehe querlaufende, aus ihrer natürlcihen Position heraus gerissene Stahlträger quer durch die Szenerie laufen…Glasfisch und anderer Marine Lebens-formen tummeln sich vor dem leuchtendem Blau des Meeres. Ein paar Meter weiter kommen zu meiner Linken die Fäkalienstationen der einfachen Besatzung. Hier ist es recht witzig sich mal kurz auf den Rücken zu legen. Über mir befindet sich nämlich eine Luftblase in der ich mich vorzüglich spiegele, und mir noch einmal mein Haar für die nächste Fotosession, richten kann. Ist  die Frisur erst wieder in Form gebracht verlasse ich die Aufbauten wieder und begebe mich ins Freie. Beim nächsten Blick in Richtung Oberfläche schaue ich genau in das Mündungsrohr der Flugabwehrgeschützes, welches beim für die Thistlegorm so verheerenden Angriff, nicht mehr zum Einsatz gekommen ist. Drohend, böse und gewaltig schaut es mich im Gegenlicht an…“ich habe keine Chance, ich muss schießen“ geht mir durch den Kopf…was für ein Foto!!!               Noch rückwärts schwimmend komme ich über das Heck mit seinem riesigem Ruder und dem vier blättrigem Propeller hinaus. Umso weiter ich mich jetzt entferne, desto besser wird die Übersicht über die eigentliche Größe des Schiffs,…hundertdreißig Meter können schon ganz schön beeindruckend sein. So, nun aber wieder ab zum Wrack!! Da haben wir ihn den Propeller, für Taucher immer ein Highlight und ein Ansporn nicht nur looki-looki, sondern auch tatschi-tatschti zu machen. Ist das gut, muss das sein!!! Natürlich!!! Da gibt es Stellen, die vom vielen Rubbeln schon ganz blank sind, und wir wollen doch nicht, das die ändert, oder…yeah!!!                   Mit der Linken an der Steuerbordwand empor gleitend gelangen wir nun wieder in den etwas flacheren Bereich um die zwanzig Meter, um uns in Richtung Bug schwimmend, vorerst vom Heck zu verabschieden. Noch einmal verharren wir einen Moment über der Einschussstelle, und sind erstaunt über das gewaltige Ausmaß an Zerstörung!!! Eine einzige Bombe, hat das Schiff glatt in zwei Teile zerlegt. Nun erreichen wir Mittschiffs die Aufbauten, allerdings lassen wir sie noch links liegen, den wir möchten das Wrack ja klassisch betauchen, also uns erst außen einen Überblick verschaffen, um dann das Innere zu entdecken. Bei guter Sicht kann ich vom Oberdeck die Reste Stanier 8F Lokomotive dreißig Meter entfernt auf dem Grund stehen sehen. Große Thunfische ziehen hier ihre Kreise, und ab und zu schauen auch mal ein paar Delphine rein….aber wer will schon Delphine sehen, wenn man gerade das Privileg genießt an der Thistlegorm zu tauchen. Beim nächsten Blick nach vorne sind wir auch schon an den Aufbauten vorbei, und tauchen an den auf der Steuerbordseite stehenden Kohlentender und Wasserwagen der Loks vorbei. Aus den Ladenräumen hören wir schon wie die Jeeps, LKWs und Motorräder nach uns rufen, uns auffordern zu ihnen zu kommen, Fotos zu machen und die Geschichte zu genießen. ABER, nein wir bleibe eisern, wir möchten uns die Highlights doch noch für das Ende aufheben…vielleicht nur ein kleiner Blick,…gut das wir vorbei sind!!! Am Bug angekommen geht es jetzt das erste Mal wirklich hinein in die Frau Thistlegorm. Steuerbord rein in den Bugbereich, und Zack ist es dunkel, wenn da nicht eine Luke in der Decke wäre die den Raum vor uns in sanfte Grün-Töne taucht. Wie ein Spot, extra für uns gemacht illuminiert das einfallende Licht den Raum. Schnell weiten sich aufgrund der Dunkelheit die Pupillen, und wir fangen an erste Umrisse wahrzunehmen. Ein Gummistiefel liegt hier im Schlick der sich in den Jahren angesammelt hat, ein paar Kable hängen lose von der Decke, hier muss wohl einer der Lagerräume gewesen sein?! Wenn wir schon mal hier vorne an dem Bug sind, wollen wir natürlich auch in seiner Gänze genießen. Vorne lassen wir uns rückwärts von der Bugspitze fallen. Schwerelos hängen wir auf 25, 26, 27 Meter und über uns ragt der monumentale Bug, immer noch bereit ein paar Wellen zu brechen, majestätisch empor. Der gigantische Backbordanker hängt immer an seinem Platz, die Steuerbordkette jedoch sehen wir im nichts verschwinden. Riesig Schwärme von Füsilieren heben sich gegen das Sonnenlicht ab, dutzende von wohlgenährten Makrelen legen sich schon mal ihr nächstes Mittagessen fest. Wracks sind immer ein Treffpunkt für Jäger und Gejagte. So ganz allmählich müssen wir uns nun auch wieder auf den Rückweg machen, denn der verbleibende Luftvorrat ist schon unterhalb der 100 Bar Marke angekommen. Die verbleibende Zeit nutzen wir um uns die aufbauten anzuschauen. Vom Oberdeck aus geht es in die Mannschaftsräume rein. Mitten im Raum finden wir in einem separaten Raum mit einer Badewanne und einem Waschbecken, für Taucher immer ein untrügliches Zeichen, dass sich hier gewaschen wurde. Hier haben einmal Menschen gelebt, sich gewaschen, gegessen und über ihre Mädchen verteilt in den unzähligen Häfen dieser Welt gesprochen. Eine Etage höher haben wir die Kapitainskajüte. Der Man hat es gut gehabt, der konnte nämlich eine privates Badezimmer sein eigen nennen. Nun muss ich aber wirklich hoch, der Zeiger unsere Finimeter nähert sich auffällig der 50 Bar Marke, ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Tauchgang vorbei ist, und ich mich zu meinem Sicherheitsstop auf 5 Meter aufmachen muss.      
Während der einen Stunde Oberflächenpause kann ich es kaum erwarten wieder ins Wasser zu kommen. 60 Minuten können sooo lang sein!!!                                 Endlich, nach exakt 59 Minuten sind wir wieder im Wasser und beginnen unseren Abstieg. Highlights wir kommen, zieht euch schon mal warm an!!!                             Der Einschlag der Bombe hat nicht nur den Laderaum vier in Stücke gerissen, sondern unter Anderem auch den Maschinenraum freigelegt. So haben wir von oben kommend frei Sicht auf die Dreifach-Expansionsmaschine. Klasse Wort nicht wahr?! Hört sich ein bisschen an wie Fluxkompensator?!! Mittig im Maschinenraum steht das gewaltige Antriebsaggregat, dass der Thistlegorm selbst bei voller Zuladung noch 10,5 Knoten beschert hat. Überall um uns herum sind nun Kessel und Rohrleitungen. Links in Richtung Bug sind die Wände so weit durchgerostet, das sie ein etwa 2x1  Meter großes Loch freigeben durch das wir uns in den Kohlenraum schieben. Zwar haben wir uns eben, um nicht irgendwo hängen zu bleiben, erst das erst mal unsere Lampen benutzt, doch machen wir sie auch gleich wieder aus. Das hier, das jetzt, das ist das was wir uns unter Wracktauchen vorstellen. Nur noch Hauch von Licht erreicht diesen Raum, sind wir wirklich nur auf 25 Meter. Gott sei dank ist noch kein Taucher heute vor uns hier drin gewesen, hat keine Schwebeteilchen aufgewirbelt, und somit ist die Sicht, im Gegensatz zu außerhalb des Wracks, einfach perfekt. Die gute Sicht, uns das wenige Licht hat einen, ganz entscheidenden Vorteil, sie vermitteln uns das Gefühl im Nichts zu schweben, einfach durch den Raum zu fliegen. Über uns sehen wir durch ein Gewirr von Stahl, mit einem leuchtend blauen Hintergrund die Aufbauten die noch vor einer Stunde geentert haben. Durch die nächste Öffnung kommen wir in den Laderaum drei. Zwischen Decke und Ladung schweben wir über das für die Operation Cruisader so wichtige Nachschubmaterial. Interessanter Weise kommen mir gerade jetzt, ich bin 69ger Generation, Bilder von den alten Indianer Jones Filmen in den Kopf. Ist das nicht genau der LKW mit dem „Indi“ die bösen Jungs verfolgt hat??? In Reih und Glied stehen die LKWs unter mir, bereit dazu ausgeladen zu werden. Kistenweise, kreuz und quer liegen versteinerte Lee Enfield-Gewehre, auf den Ladeflächen der Bedfords stehen immer noch die Motorräder mit denen es in den Krieg gehen sollte. Gegen den Uhrzeigersinn tauchend genießen wir so unsere Reizüberflutung. War das nicht eben ein Flugzeugmotor, sind das nicht Tragflächen die da liegen, und bin ich immer noch in meinem Raum und meiner Zeit??? Von Laderaum „drei“ kann man direkt zu Laderaum „zwei“ durchtauchen. Bei einem Blick nach oben fällt uns fast für einen Moment das Herz in die Hose. Der Tankwagen für die Stanier F8 hat sich beim Sinken aus seiner Verankerung gelöst und hängt heute bedrohlich in den Laderaum hinein, jeder Zeit bereit abzurutschen und uns unter sich zu begraben. Irgendwann wird das bestimmt passieren! Nur heute nicht, heute hat er uns nur einen gehörigen Schrecken bereitet und dafür ein paar Schnappschüsse abbekommen. Bei einem Blick auf den Tauchcomputer, und unser Finimeter, stellen wir fest, dass unsere Zeit schon wieder einmal um ist. Das kann doch nicht sein, sind wir nicht gerade eben erst ins Wasser gesprungen. Tja, nun wissen wir auch, was mit der Aussage „ …die Zeit vergeht wie im Flug…“ gemeint ist. Gemächlich lassen wir uns noch einmal, begleitet von einem Schwarm Fledermausfischen, von der Strömung zum Ankerseil tragen, und sagen „Tschüß MY Lady, wir werden uns bestimmt noch einmal wieder sehen".

     

                                      Thistlegorm-Video 1 

 
                                            

                           Thistlegorm-Video 2